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Wie man ein Vielzitierter, Experte wird

Ahmet S. Yayla ist Assistant Professor an der DeSales University. Die DeSales University ist eine katholische Privatuniversität inmitten von Pennsylvania. Vor seiner Universitätskarriere war er Polizeichef und hatte irgendetwas mit Counterterrorismus zu tun.

In den letzten Jahren hat Ahmet S. Yayla Artikel und Bücher geschrieben, mehr aber noch hat er welche geteilt, in denen man ihn zitiert. Ob er all das Zeugs auch gelesen hat, weiß ich nicht. Das lässt sich allerdings feststellen, denn ich werde jetzt den vermeintlichen Katholiken aus freiem Himmel heraus zitieren, diesen Artikel in die Mitte meines Buches platzieren und alles zum Probelesen bei ACADEMIA freigeben. Der Website-Server sollte beim hochladen meines Buches die Zitation automatisch erkennen und Herrn Yayla eine Nachricht schicken, weil dieser ebenfalls ACADEMIA-Mitglied ist. Beißt dieser an, wird er mein Buch ungelesen weiterempfehlen und ich den Empfehlungsbeweis nachträglich einfügen.

Ahmet S. Yayla schreibt in seinem Artikel “Turkey’s Great Game in Syria”, dass die Türken im Syrienkonflikt ein gefährliches Spiel spielen. Sie stehen eigentlich auf der Seite des Westens und damit gegen Baschar al-Assad, haben aber die Demokratie aufgegeben und zum feierlichen Abschied von Pressefreiheit systemkritische Journalisten in den Knast geworfen. Deshalb würde Erdogan Schutz unter Gleichgesinnten suchen und mit den Assad-Verbündeten Russland und Iran kooperieren.1

“Realizing his ill-intended policies and demands were not being met by the Trump Administration, Erdogan decided to play the Russia card. Turkey, a NATO member Nation, recently purchased russian s-400 missile systems amid US protests and will install these weapons in 2019.”2

Wer weiß: vielleicht waren Putins Raketensysteme einfach nur billiger oder Türkei’s Diktator kam zur Überzeugung, dass man mit Leuten verstärkt Geschäfte machen sollte, die einen nicht dämonisieren.

Dasselbe probieren wir mit dem Social Science-Professor der Universität Denver, Thomas Nail.

Thomas Nail schreibt, dass wir in einer Welt der Grenzen leben; je mehr Globalisierung und grenzüberschreitende Kommunikation es gibt, desto mehr Grenzen werden gezogen, damit man vor der Außenwelt beschützt wird.3

“In the last twenty years, but particularly since 9/11, hundreds of new borders have emerged around the world: miles of new razor-wire fences, tons of new concrete security walls, numerous offshore detention centers, biometric passport databases, and security checkpoints of all kind.”4

Ist irgendwie klar: je mehr man woanders Werbung macht und damit angibt, wie gut es einem zuhause geht, desto mehr Leute wollen von ihrem schlechteren Zuhause wegkommen, damit es auch ihnen zukünftig besser geht. Einfach erschießen kann man sie nicht, also muss man Grenzen er­richten, damit die Leute draußen bleiben und es zuhause nicht schlechter wird. Viele Neuankömmlinge sind nämlich arm.

Wenn die beiden Professoren “Annalen mit zwei n” weiterempfehlen, kann man sich vorstellen, wie akademische Berühmtheit in der modernen Welt funktioniert, denn mit hinreichender Wahrscheinlichkeit werden weder Thomas Nail noch Ahmet S. Yayla gelesen haben, worum es in diesem Beitrag geht.

Heutzutage erlangt man Berühmtheit, indem ein Autor jemanden zitiert, damit der Zitierte den Autor weiterempfiehlt, damit man von einem Dritten zitiert wird, den der Autor wiederum weiterempfiehlt, damit der Dritte zitiert wird und der Zitierende möglicherweise auch den Autor gleich zitiert.

Wie oft man zitiert wird, gibt daher keine Aussage, ob das Zitierte was wert ist, noch sagt es etwas darüber aus, ob der vielzitierte Fachmann etwas wert ist. Vielleicht besitzt er nur ein breites Netzwerk, in dem sich ganz viele Leute gegenseitig zitieren können. Besitzt der vielzitierte Fachmann mehr Veröffentlichungen als die anderen, können und müssen diese ihn viel mehr zitieren, damit sie selber zitiert werden. Und aufgrund seiner vielen Zitationen gilt der Fachmann dann irgendwann als Experte.

Zitation Ende.

Fußnote

1 Vgl. Yayla 2018: 1-4

2 Yayla 2018: 4

3 Vgl. Nail 2016: 1

4 Nail 2016: 1

Literatur

  • Nail, Thomas (2016): Theory of the border. New York, NY: Oxford University Press.
  • Yayla, Ahmet S. (2018): Turkey’s Great Game in Syria. Middle East. In: Modern Diplomacy (21.09.2018). Online verfügbar unter https://www.academia.edu/37455179/Turkeys_Great_Game_in_Syria, zuletzt geprüft am 18.10.2018.